Voice Dialogue - die Arbeit mit den Inneren Stimmen
Die Voice Dialogue Methode wurde in den 80er Jahren von Hal und Sidra Stone
in den USA entdeckt. Sie fanden heraus, dass die Psyche des Menschen leichter
zu verstehen ist, wenn wir uns vorstellen, dass sie wie aus unterschiedlichen
Personen besteht und wie eine Gruppe von Menschen funktioniert. Diese können
ganz unterschiedlich sein: dominant, schüchtern, arbeitsam, revolutionär,
lieblich, destruktiv, gleichgültig ... genauso unterschiedlich wie jede
wild zusammengewürfelte Gruppe von Menschen auch sein kann. Bei einigen
Menschen leben diese Inneren Personen harmonisch miteinander, bei anderen
sind sie in innerem Widerstreit und kämpfen miteinander. Je nach Situation
in unserem Leben übernimmt die eine oder andere innere Figur die Führung
und wir verhalten uns so wie es dieser entspricht.
In der Voice Dialogue-Methode nehmen wir direkten Kontakt auf mit diesen
Inneren Personen und lernen ihre Geschenke und ihre Begrenzungen kennen.
In diesem Prozeß ordnet sich das psychische System neu, und jede Innere
Person findet den ihr angemessenen Platz.
Hauptstimmen und verdrängte Stimmen
Hauptstimmen nennen wir die Inneren Personen, die einen dauerhaften und direkten
Einfluss auf unsere Psyche haben. Das sind die Seiten, mit denen wir uns
am stärksten identifizieren, von denen wir glauben “das bin ich"; so
kennen uns auch unsere Freunde oder Arbeitskollegen.
So ist z.B. ist bei jemandem, der seine Wohnung immer ganz aufgeräumt
und sauber hält, eine Hauptstimme da, die auf Ordnung und Sauberkeit
grossen Wert legt. Oder bei jemandem, der immer bei Rot die Srasse überquert,
gibt es vielleicht eine Hauptstimme, die sich gerne offiziellen Regeln und
Autoritäten widersetzt. Wer immer normalerweise unser Verhalten bestimmt,
ist eine Hauptstimme.
Verdrängte Stimmen sind die Inneren Personen, die in unserem Leben selten
oder nie die Führung übernehmen. Manchmal sind das Innere Kinder,
die verträumt, staunend, nicht-wissend in der Welt stehen, manchmal
aber auch wilde Abenteurerseiten, oder stille, in-sich-gekehrte, meditative
Personen, oder weibliche, erotische, lebenslustige oder freche Personen.
Jede Innere Person kann eine Machtposition innehaben oder unterdrückt
sein. Unsere Lebendigkeit und unser Handlungsspielraum ist umso eingeschränkter,
je mehr Innere Personen nicht angemessen und ihrer Natur nach leben dürfen.
Von der Oberfläche zur Tiefe
Begegnen wir das erste Mal einer Inneren Person, sehen wir normalerweise
ihre Oberfläche. Da ist z.B. eine Innere Person, die sich nicht bewegen
mag, lethargisch und motivationslos ist und keine Lust hat, sich mit der
Welt auseinanderzusetzen. Sie möchte nur in Ruhe gelassen werden. Vertiefen
wir den Kontakt zu der Inneren Person fangen wir an, mehr über die Hintergründe
und ihre tiefere Absicht zu verstehen. Vielleicht erfahren wir, dass es früher
einmal ein ganz lebendiges, quirliges Kind gab, das unglaublich gerne alle
möglichen Dinge gemacht hat - und das immer wieder gescholten wurde,
es soll endlich still sein, und wenn schon, dann soll es die Dinge
wenigstens ordentlich machen und nicht ständig wild rumzappeln. Irgendwann
hat das zu weh getan und es hat sich diese innere Schutzperson gebildet,
die diese Lebendigkeit reduziert hat und so das Innere Kind vor ständiger
Kritik besser geschützt war. Vielleicht hat sich ein unbewußter
Glaubenssatz in der Person gebildet der heisst: “Lieber tue ich gar nichts
mehr als etwas Falsches".
Eine Inneren Person hat meist in der Tiefe die Absicht, einen sehr verletzlichen
Teil von uns zu schützen, das Innere Kind. So ist auch in obigem Beispiel
dieser lethargische Teil nicht gegen die Person, sondern er schützt
etwas sehr Kostbares. Indem wir diese Beschützer annehmen und verstehen
lernen, fangen sie an, uns zu vertrauen. Und wenn sie sich sicher genug fühlen
und für ihre Befürchtungen ausreichend Sorge getragen wird, werden
sie selbst dieses innere Kind allmählich aus dem “inneren Verließ³
herauslassen, und die unmittelbare Lebendigkeit fängt wieder an zu fließen.
Bewußtsein - der Weg der Heilung
Bewußtsein ist die stärkste Kraft in unserer Psyche. Wir müssen
nicht gegen unsere inneren Schutzpersonen ankämpfen. Es reicht, sie
zu sehen und sie in ihrer Tiefe zu verstehen. Wenn sie spüren, dass
ein bewusstes Ich anfängt, für ihre Anliegen Sorge zu tragen,
entspannen sie sich und werden bereit, ihre Dominanz oder Kontrolle mehr
zu lösen. Sie werden weicher und flexibler. Zwar bleiben uns alle unsere
Inneren Personen erhalten, sie entwickeln sich aber in eine erlöstere
Form. Ihre Fähigkeiten kommen mehr zum Tragen und ihre Begrenzungen
schränken uns weniger ein. Je nach Situation, wird die für diese
Aufgabe geeignetste Innere Peron die Führung übernehmen.
Sie ist aber nicht mehr allmächtig und sie weiss auch um die Bedürfnisse,
Ängste und Fähigkeiten der anderen, genauso wie in einem gut funktionierendem
Team. So fängt jede Innere Person an, ihre Liebe, ihre Intelligenz und
Schönheit in unser Leben einzubringen und lässt damit unser Wesen
in all seinen Farben erblühen.
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